RATP - aimer la ville Internetseite des Mediators der RATP-Gruppe

Antragsbeispiele

Die individuelle Bearbeitung jedes einzelnen Antrags

Auch wenn sich Kunden auf die Kohärenz bei der Mediation oder auf die Gerechtigkeit berufen, um ihre Forderung durchzusetzen, ist jede vom Mediator/von der Mediatorin der RATP getroffene Entscheidung einzigartig und kein richterliches Urteil. Sehr ähnliche Situationen mögen zwar existieren, aber der Mediator/die Mediatorin ist verpflichtet, jedes Dossier nach geltendem Recht, gleichberechtigt und unparteiisch zu bearbeiten. Der Mediator/die Mediatorin untersucht jeden einzelnen Fall individuell und ist nicht verpflichtet, sich an eine Entscheidung zu halten, die für ein früher bearbeitetes Dossier getroffen wurde.

Im Jahresbericht des Mediators/der Mediatorin werden verschiedene Arten von Anträgen dargestellt, die im abgelaufenen Jahr bearbeitet wurden.

Beispiel: Die Autobus-Fahrkarte wurde nicht entwertet

DIE FAKTEN

Die Tochter von Herrn Y … wurde auf der Linie 414 des Autobusnetzes SQYBUS zur Rede gestellt, da ihre Fahrkarte nicht entwertet war. Herr Y gibt an, dass ein Zeuge beobachtet hat, dass seine Tochter ihre Fahrkarte sehr wohl am Entwertungsgerät entwertet hatte. Er nimmt an, dass das Gerät nicht richtig funktioniert hat und daher die Entwertung nicht registriert wurde. Er verlangt die Annullierung der Geldstrafe.

DIE ANTWORT DES MEDIATORS/DER MEDIATORIN

Der Mediator forderte das Unternehmen SQYBUS auf, zu überprüfen, ob bei einem Entwertungsgerät eines Autobusses der Linie 414 am Tag der Verhängung der Geldstrafe ein Ausfall des Geräts gemeldet wurde. Da keinerlei technischer Fehler festgestellt wurde, erklärt der Mediator Herrn Y, dass beim Vorzeigen eines Ausweises am Entwertungsgerät ein Ton zu hören sein muss und dass außerdem ein grünes Licht aufleuchtet, was bedeutet, dass der Fahrschein korrekt entwertet wurde. Sollte dies nicht der Fall sein, muss der Fahrgast den Fahrschein nochmals vor das Entwertungsgerät halten. Da festgestellt wurde, dass der Fahrausweis der Tochter von Herrn Y am Tag der Kontrolle sehr wohl gültig war, bat der Mediator den Kundendienst von SQYBUS, die Verwaltungskosten in Höhe von 38€ zu streichen und stattdessen einen Betrag von 33€ zu verlangen.

DER KOMMENTAR

Nachdem zu Beginn des Jahres 2014 mit den Verbraucherschutzvereinen und den Nutzern von öffentlichen Verkehrsbetrieben ein neues Vereinbarungsprotokoll unterzeichnet wurde, wurde die Zuständigkeit des Mediators der RATP auch auf die Tochtergesellschaften der Gruppe in der Region Ile-de-France ausgedehnt. Das Unternehmen SQYBUS gehört diesen Gesellschaften an.

Beispiel : Antrag auf Gebührenrückerstattung nachdem ein gebuchter Flug versäumt wurde

DIE FAKTEN

Herr N… wartet auf seinen Autobus, der mit großer Verspätung eintrifft, und kommt zu spät am Flughafen an, so dass er seinen Flug nach Spanien versäumt. Er ist der Ansicht, dass die RATP für seinen finanziellen Schaden verantwortlich ist und fordert eine Entschädigung.

DIE ANTWORT DES MEDIATORS/DER MEDIATORIN

Der Mediator veranlasst eine Untersuchung bei den Betreibern der betreffenden Autobuslinie, um die Ursache und das Ausmaß der Störung festzustellen. Ein Fahrgast, der in den davor eingesetzten Bus eingestiegen war, war erkrankt, so dass ein Notdienst gerufen werden musste. Aufgrund dieses unvorhergesehenen Vorfalls mussten entsprechende Maßnahmen getroffen werden, was zu einer bedeutenden Vergrößerung der Busintervalle führte. Der Betrieb der Buslinie war jedoch nicht unterbrochen. Auch wenn der Mediator Verständnis für die Unannehmlichkeiten des Kunden an diesem Tag hat, ist er der Ansicht, dass die RATP nicht für die Ursache des Vorfalls verantwortlich gemacht werden kann. Er bleibt daher bei der Entscheidung der Rechtsabteilung der RATP, die die Entschädigungsforderung von Herrn N abgewiesen hat.

DER KOMMENTAR

Der Mediator ist der Ansicht, dass die Betreiber der Autobuslinie mit einem Fall Höherer Gewalt konfrontiert waren, für den sie nicht verantwortlich sind. Der Betrieb wurde nicht unterbrochen, auch wenn einige Buseinsätze gestrichen wurden, um die Intervalle wieder richtigzustellen und die Verspätungen auf der gesamten Linie zu reduzieren. Die Untersuchung ergab keinerlei interne Betriebsstörung. Im Gegenteil, aufgrund der getroffenen Maßnahmen konnten die vorgesehenen Frequenzen der Linie so rasch wie möglich wiederhergestellt werden. In den an den Bushaltestellen für die Fahrgäste angebrachten Informationen über die Busfrequenzen wird darauf hingewiesen, dass die Autobusfahrpläne als Richtwerte zu betrachten sind.

Beispiel : Betrügerische Nutzung eines falschen Namens/Fahrausweises

DIE FAKTEN

Herr L… wird wegen unerlaubter Überschreitung einer Kontrolleinrichtung ohne Entwertung eines Fahrausweises zur Rede gestellt. Er bestreitet diesen Vorwurf und die darauf folgende gebührenpflichtige Verwarnung mit dem Argument, dass er nicht an diesem Ort war. Dazu legt er eine Bestätigung seines Arbeitgebers mit seinem Arbeitszeitnachweis sowie Dokumente vor, mit denen er seinen neuen Wohnort in der Provinz nachweist, sowie eine Fotokopie seines Personalausweises. Er erklärt, dass Erinnerungsschreiben an seinen neuen Wohnort versandt wurden, da er sich weiterhin die Post nachsenden lässt, während der Betrüger jedoch seine ehemalige Adresse verwendet.

DIE ANTWORT DES MEDIATORS

Der Mediator schließt das Dossier dieses Strafzettels ohne weitere Maßnahmen. Die Argumente von Herrn L, die falschen Angaben auf dem Strafzettel sowie die vorgelegten Belege zeigen, dass der Fahrgast in Bezug auf diese Strafe Opfer einer betrügerischen Verwendung seiner Identität war.

DER KOMMENTAR

Die Anträge aufgrund betrügerischer Nutzung einer Identität haben sich im Jahr 2014 mehr als verdoppelt. Sie stellen 15% der insgesamt bearbeiteten Anträge dar, gegenüber 6% im Jahr 2013. In der Mehrzahl der Fälle konnten die Antragsteller Nachweise vorlegen, dass sie zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht am Ort sein konnten, an dem die Strafe verhängt wurde. Der Mediator konnte somit eine Entscheidung zugunsten der Antragsteller treffen und die Strafzettel ohne weitere Maßnahmen ad acta legen. Die Antragsteller haben allerdings in ihren Schreiben relativ häufig die gleichen Argumente vorgebracht. Sie verstehen nicht, warum sie nachweisen müssen, dass sie nicht am Ort des Vorfalls waren. Ihrer Meinung nach ist es Aufgabe der Kontrollbeamten, zu überprüfen, ob die Identität und die Kontaktinformationen, die vom Fahrgast gegeben werden, tatsächlich stimmen. Der Mediator entgegnet auf dieses Argument, dass die Kontrollbeamten berechtigt sind, die Identität von Verursachern von Übertretungen bei der Polizei des Bahnbetriebs zu erheben, aber nicht, um die Richtigkeit der Identität zu überprüfen. Wenn sich der Fahrgast weigert, einen Ausweis vorzuweisen, teilt der Kontrollbeamte dies dem für dieses Gebiet zuständigen Polizeibeamten mit. Dieser kann den Kontrollbeamten ermächtigen, den Täter so lange wie nötig bei seiner Ankunft zurückzuhalten oder ihm anordnen, ihm den Täter sofort vorzuführen.

Beispiel : Nicht durchgeführte Entwertung des Fahrscheins in der Straßenbahn

DIE FAKTEN Herr D… wird in der Straßenbahn T3 zur Rede gestellt, da er seinen Fahrausweis nicht entwertet hat. Er erklärt, dass er keine Möglichkeit hatte, zum Entwertungsgerät zu kommen, da die Straßenbahn überfüllt war. Er erklärt außerdem, dass er sonst nie mit diesem Verkehrsmittel fahre und daher die dafür geltenden Usancen nicht kenne. Er fordert die Rücknahme der Strafe.

DIE ANTWORT DES MEDIATORS

Der Mediator weist Herrn D darauf hin, dass der Fahrausweis immer entwertet werden muss, um die verschiedenen öffentlichen Verkehrsmittel korrekt zu benützen: Autobus, Metro (U-Bahn), RER (S-Bahn) und Straßenbahn. Die Bedingungen werden allen Fahrgästen auf den Plakaten « Regeln für Fahrgäste », die in allen Straßenbahnen und Autobussen angebracht sind, zur Kenntnis gebracht. In jeder Straßenbahn sind mehrere Entwertungsgeräte in der Nähe der Türen angebracht, damit die Fahrgäste ihre Fahrausweise beim Einsteigen in die Wagen entwerten können. Der Mediator hält sich in diesem Fall an die Entscheidung des Kundendienstes.

DER KOMMENTAR

Gebührenpflichte Verwarnungen wegen nicht durchgeführter Entwertung der Fahrausweise, die von der Kundenkontrollabteilung der RATP durchgeführt werden, stellen ca. 4% der 2014 festgestellten Übertretungen dar, wobei in ca. 10% der Fälle die Geldbuße sofort bezahlt wurde. In den dem Mediator übergebenen Schreiben geben die Fahrgäste, die ihre Fahrausweise nicht entwertet haben, im Allgemeinen ihren Fehler, ja sogar ihren Betrug, zu. Sie verlangen allerdings eine Reduktion ihrer Strafe und führen dazu verschiedene Argumente an. Fahrgäste mit Monats- oder Jahreskarten (Navigo monatlich oder jährlich, imagine R) bekämpfen ihre Strafe vehementer, wenn sie ihren Fahrausweis nicht entwertet haben. Da sie ihren Ausweis im Voraus bezahlt haben, betrachten sie sich nicht als Betrüger und empfinden ihre Strafe als besonders ungerecht. Da die Entwertung der Fahrausweise für die RATP eine unverzichtbare Information über den Verkehr auf den Linien darstellt, ist sie für alle Fahrgäste und auch für Kunden mit Monats- oder Jahreskarten vorgeschrieben.